Ich mache was ich will

Ich erwachte. Draußen schneite es und die letzten Überbleibsel der Feiertage sollten heute aufgeräumt werden. Ich fühlte mich an diesem Morgen so schrecklich träge. Eigentlich hatte ich keine Lust darauf aufzuräumen, genauso wenig wie auf den ganzen Stress vor, während und zwischen den Feiertagen. Ich hätte wohl mehr Spaß an den Feiertagen, wenn ich sie allein hätte verbringen können. Meine Familie nervt einfach nur. Immer diese ständigen Fragen und immer diese dummen Kommentare und generell einfach nur unnötige Gesprächsthemen kommen auf den Tisch. So werde auch ich schon seit ich denken kann dazu verdammt, Dinge zu sagen, über die ich nie reden wollte. Immer wird alles aus mir heraus gequetscht wie aus einer Orange, die zu Orangensaft gepresst werden soll, wie in einem Verhör bei der Polizei. Immer wird man gezwungen über alles zu reden und zu allem einen Kommentar abzugeben „Was denkst du denn darüber, Sarah?“ Wie ich es hasse, wenn man mich so etwas fragt. Und dann noch immer dieses Getue, damit ich auch bloß keinen verletze. Aber ich habe endgültig die Schnauze voll. Meine Vorsätze für das neue Jahr waren ja auch schließlich, dass ich mich ändern werde. Von nun an werde ich immer sagen, was ich so denke. Und ich werde euch auch allen zeigen, wie ihr mich einfach nur nervt, mit eurer eigenen Scheinheiligkeit. Immer schön schauspielern. Aber auf keinen Fall mit der Wahrheit herausrücken, was man wirklich über andere Leute denkt. Auch in Schule ist es nicht anders. Man kann quasi keinem mehr irgendwas anvertrauen, ohne das es am Ende des Tages die ganze Schule weiß. Dabei braucht doch jeder mal eine Person, mit der man über alles reden kann oder zum Mindest über bestimmte Dinge. Allerdings muss man diese auch im Vertrauen weitergeben können und gerade das ist heutzutage leider fast unmöglich. Alles wird herum erzählt. Wenn überhaupt. Heutzutage teilt man ja jeden Scheiß auf Facebook und WhatsApp und was die da nicht alles erfunden haben, um immer mehr nach Geld zu stinken. Ich glaube ich müsste mal irgendwas anzetteln. Eine Gruppe von Leuten auftreiben, die genau meiner Meinung sind und dann zeige ich es euch allen. Egal wie und mit welchen Mitteln; einfach nur um zu zeigen, wie scheiße das hier alles ist. Von allen Seiten wird man hier belogen und betrogen und hintergangen und zu irgendwelchen hirnrissigen Dingen gezwungen , die eh keiner will und manipuliert, wo es nur geht. Bloß, wo gibt es diese Gleichgesinnten. Es ist Silvester gekommen, endlich. Alle Verwandten sind da und einige werden hier auch übernachten. Kein Problem, wir haben ja genügend Platz in unserer Villa, wir haben ja auch nur 12 Zimmer. Ein verdammtes Leben, das ich mir nicht aussuchen konnte und es auch nicht gewählt hätte, wenn es meine Entscheidung gewesen wäre. Ich würde lieber in einer normalen Zwei- oder Dreizimmer-Wohnung leben wollen und in ganz normalen Verhältnissen, aber das hier ist echt unnötig. Aber Reiche sehen ja nun mal nicht ein, dass ihre Freunde keine echten Freunde sind, sondern nur Freunde des Geldes. Aber morgen früh werden meine Eltern eine völlig andere Tochter haben. Ich werde vielleicht nicht über Nacht anders, aber sie werden es schon merken, hoffe ich. Während der Silvester-Party werde ich mich jedenfalls nicht blicken lassen und das soll auch nur der Anfang sein. ....... Am nächsten Morgen schien die Sonne, als ich die Augen öffnete. Es war sehr ruhig und still. So still war es selten morgens. Meist hörte man draußen Leute reden oder den Gärtner arbeiten. Oder meine Mutter kam, um mich zu wecken für das Frühstück. Nur ein mal im Jahr, nämlich am ersten Januar wurde später gefrühstückt. Um 10 Uhr kam dann meine Mutter irgendwann in mein Zimmer, um mir zu sagen, dass es Frühstück gibt. Ich antwortete nichts. Ich folgte ihr in das Esszimmer. Dort trudelten dann auch nach und nach die anderen Verwandten ein und versammelten sich an dem Tisch. Ein teures Holz bemerkte ich heute und grinste. Meine Mutter bemerkte es und ermahnte mich, keine Fratzen bei Tisch zu schneiden. „Du kannst mir gar nichts! Ich mache was ich will und wenn mir danach ist, dann ist es so!“ entgegnete ich provokant und ritzte mit meinem Brotmesser einen großen, dicken Strich in den teuren Tisch und grinste weiter so dreckig, wie es nur ging. Alle waren schockiert und erschrocken. „Sarah! Du gehst auf der Stelle in dein Zimmer! Was fällt die eigentlich ein!“ brüllte meine Mutter, sodass sich ihre Stimme fast überschlug. Als wenn ihre Stimme ein mal nicht schon grausam genug sei, dann höre ich sie auch noch in stereo. Nun war es mal von nutzen, dass das Haus so groß war, denn so konnte ich unbemerkt aus dem Haus schleichen und sogar noch Proviant mitnehmen. Dass ich mich jetzt in meinem Zimmer verkrieche, rumheule, Reue zeige und mich entschuldige, das hätten die wohl gerne. Draußen lief ich dann einige Stunden herum und endeckte Orte, die ich nie zuvor gesehen hatte. Wahrscheinlich, weil meine Eltern unbedingt den Kontakt zur unteren und zur Mittelschicht vermeiden wollten, das würde ja ihr Image ruinieren. Dann endeckte ich ein ungewöhnliches Gebäude. Es war bunt und voll mit Graffittis und Aufklebern. Es sah zugegebnermaßen schon so aus wie ein heruntergekommenes Ziegelsteinhaus. Aber es war groß und es kam Musik heraus. Laute Musik. Es war Punkrock, allerdings hatte ich dazu bislang noch keinen wirklichen Zugang gewonnen. Irgendwie gefiel mir die Musik auf anhieb. Ich ging hinein, allerdings war ich etwas eingeschüchtert von den Leuten. Alle waren sie Punks und warfen mir skeptische Blicke zu, wahrscheinlich, weil ich nicht hier rein passte. Ich hoffte nur, dass der Türsteher mich rein lässt. Denn schon vor dem Gebäude saßen, und standen sie und redeten und tranken Bier. Ich lächelte verlegen. Als ich dann rein kam, sah auch hier alles so aus wie draußen. Es klebten Poster und Aufkleber an allen wänden und der Boden war nass und klebrig von Bier und es waren auch Flyer von Konzerten auf dem Boden eingelaufen. Es roch nach Bier und Gras. Den Geruch kannte ich von anderen Partys von „Freunden“. Zuerst wollte ich wieder raus, aber dachte mir: „Ich ziehe das Ding jetzt durch! Dann werde ich eben ein Punk!“ Wenn sie denn das Selbe denken wie ich. Dann stellte ich aber fest, dass es keinen Türsteher gab. An der Kasse fragte ich vorsichtig: „Was kostet der Eintritt?“. Der Kartenverkäufer musterte mich genau und blickte mich genau so skeptisch an, wie alle anderen hier. Nur, dass er normaler aus sah, als die anderen, bis auf sein Festival-T-Shirt und seine 10-20 Festival-Armbäner. Dann grinste er, nach dem er mich skeptisch von oben bis unten gemustert hatte. Ich dachte, jetzt würde er sowas sagen wie „Du kommst hier nicht rein.“ Aber stattdessen fragte er: „Was will denn so eine, wie du, hier? Ich glaub' du hast dich verlaufen.“ Sein Kollege von der Getränketheke kicherte mit einem anderen Kollege. Ich schämte mich zunächst und wollte gehen, aber dann rutschte es mir so heraus. „Nein, ich bin richtig. Was kostet das?“ „5€ pro Tag“ antwortete er mir. Ich überlgte mir, wenn das mehrere Tage ging, länger zu bleiben. „Und wie viel willst du für alle Tage?“ fragte ich dann. „10€“ sagte er lächelnd „wusstest du nicht, dass das nur 2 Tage geht, oder könnt ihr Bonzen nicht rechnen?“ wieder schämte ich mich ein wenig dafür, reich zu sein. Ich gab ihm die 10€ und ein anderer band mir das Festivalbändchen um, auch er schien skeptisch zu sein. Ich verlies den Vorraum und gelangte in die Konzerthalle. Es fällt mir schwer zu sagen, wo es dreckiger war: Im Vorraum oder in der Halle. Überall waren diese Punks und ich gehörte nicht dazu, weil ich reich war und man es mir offensichtlich auch ansah. Aber was sollte ich tun? Ich besaß keine andere Kleidung. Dann ging ich zum Klo, das ich zunächst auch ekelig fand und es stank. Ich stand am hinteren Waschbecken vor dem Spiegel und suchte Unterschiede. Geschminkt hatte ich mich zum Glück noch nie, das war es also schon mal nicht. Aber die Haare. Ich hatte eine Nagelschere dabei, die musste nun reichen. Ich begann mir die Haare zu schneiden. Am Anfang war ich verunsichtert von den Blicken der anderen, aber dann halfen mir welche und hatten sogar bessere Scheren bei sich. „Machst du das das erste mal?“ frage eine der Mädchen, die mir mit den Haaren halfen. „Ja.“ sagte ich schüchtern. „Außerdem musst du auch was anderes anziehen. So kannst du dich hier nicht sehen lassen.“ sagte das Mädchen darauf hin. „Du bekommst was von mir.“ Sie lief los, während ihre Freundin mich weiterhin frisierte. „Du bekommst jetzt 'nen coolen Side-cut. Sowas steht dir.“ sagte sie lächelnd. Dann zog ich mich auch noch um. Ich blickte in den Spiegel und sah ein anderes Mädchen.“Wie viel willst du für die Sachen?“ fragte ich vorsichtig und die beiden begannen zu kichern. „Die kannst du so haben.“ erklärte die, der die Sachen gehörten. Ich lächelte und sagte leise „Danke.“ „Jetzt werd aber mal locker und trink mal 'n Bier!“ sagte eine von den Mädchen und gab mir eins. Ich trank es aus und noch eins und noch eins. Irgendwann wurde die Party ganz schön lustig. Am Anfang unterhielten wir uns noch über normales Zeug, weil ich ja wissen wollte, ob wir das Selbe denken und das taten wir und sie unterstützten mich alle. Doch dann wurde alles lustig und es kam nur noch Unsinn bei unserem Gerede heraus. Das war schön, seine Meinung so sagen zu können und auch mal Dinge zu sagen, die peinlich sein könnten. Einfach ungehemmt Spaß haben. Wir feierten bis wir einschliefen. Als ich am nächsten Morgen um 10 Uhr aufwachte schliefen die Meisten noch und die Halle war ziemlich leer bis auf ein paar wenige Leute, die noch schliefen. Auch meine neuen Freunde schliefen noch. Ich schaute als erstes nach, ob mir was geklaut wurde. Ich blickte mein Portemonnaie eine Weile an und beschloss dann zur Bank zu gehen und alles, was auf meiner Karte war zu spenden. 1000€ waren da noch drauf. Und das was ich in Bar hatte, wollte ich mit den anderen teilen. Also wahrscheinlich in Bier umwandeln. Als ich mich erhob wankte zunächst alles, aber dann wurde es bei jedem Schritt besser und es blieben nur die Kopfschmerzen. An der Bank spendete ich dann die kompletten 1000€ an ein örtliches Kinderheim. Von meinem Bargeld kaufte ich dann im Mülheimer Einkaufszentrum ein belegtes Brötchen für 2,50€ und damit hatte ich dann noch 45€ übrig. Als ich den Bäcker dann verlies, erblickte ich zwei von meinen alten „Freundinnen“, mit denen ich aber jetzt nichts mehr zu tun haben wollte. Ich weiß nicht, wo sie hinwollten, aber sie gingen in dem Gang eine Weile vor mir her. Eine von ihnen sagte dann: „Die Eltern von Sarah haben gestern Abend angerufen, sie ist weg. Haben sie auch bei dir angerufen? Ich finde ich sollte es mal versuchen, vielleicht geht sie ja dann ran?!“ Mein Herz raste, wenn sie mich jetzt anrufen würde und mein Handy klingeln würde, würde ich auffallen. Ich wurde langsamer, in der Hoffnung unerkannt zu bleiben, doch dann klingte mein Handy auch schon und die beiden drehten sich um. So ungläubig sahen sie mich noch nie an. „Sarah? Dein ernst?!“ sagte Alina, die Schwarzhaarige von den beiden, ungläubig und mit etwas Verachtendem in ihrer Stimme. „Ja, mein Ernst! Ich hab kein Bock mehr auf das scheinheilige Getue! Ich will echte Freunde und nicht wie ihr sein! Ich will meine Meinung sagen! Und meine wahre Meinung ist, das Bonzen dreckige Gierlappen sind, die nichts als Geld, Karriere und ihr dämliches Image im Kopf haben!“ Die beiden waren ganz schön erstaunt, aber ich sah ihre Arroganz in ihren Augen. Ich erinnerte mich an eine Geschichte eines Typen, den ich gestern kennen lernte und wollte auch das Selbe tun. An meinem Ausgang, ging ich dann raus und rief den beiden zu „Ihr könnt mich mal!“ und streckte meinen Mittelfinger heraus. Okay, der Typ hat das bei einem Polizisten gebracht und ist weg gerannt. Aber ich kannte die beiden, die würden mir eh nicht nachlaufen. Sie sahen sich nur besorgt und mich abwertend und angewiedert an und schüttelten die Köpfe. ............ Doch ich sollte Unrecht behalten, denn nur eine halbe Stunde später kreuzten meine Eltern auf, was ich erst durch andere erfuhr. Doch ich sagte nur: „Dann sagt ihnen, dass ich hier bleibe! Und ach ja, bindet ihnen ruhig auf die Nase, dass ich 1000€ an ein Kinderheim gespendet hab und die Geldkarte zerrissen hab!“ Die Leute drum herum lachten laut. „Geh doch selbst.“ sagte dann der, der mir gesagt hatte, dass meine Eltern da sein. Ich tat das dann und sagte meiner Mutter, was ich sagen wollte. „Also Sarah, was sollen denn die Leute denken!“ schimpfte meine Mutter peinlich berührt. Mein Vater war natürlich nicht da, er war Geld verdienen. „Dass ich kein Bonze mehr sein will, der nicht mit den Armen teilt! Ich wollte schon lange nicht mehr sein wie ihr! Und jetzt ist es so weit! Das war mein Vorsatz für's neue Jahr: Es endlich durchzieh'n!“ Alle Punks standen drumherum und machten sich über meine Mutter lustig. Ich schämte mich zwar auch, aber lies mir nichts anmerken. „Und jetzt hau ab hier! Du bist peinlich!“ nachdem ich ihr das sagte, rotzte ich ihr noch vor dir Füße und ging rein. Dann brüllte sie wieder mit dieser Stereo-Stimme: „Nein, du bist peinlich, meine Liebe! Warte nur, bist dein Vater nach hause kommt!“ Doch ich tat so, als würde ich das überhören, obwohl ich genau hörte, dass sie kurz vorm Heulen war. Mir war klar, dass die Polizei nichts bringen würde, da ich bereits 18 Jahre als war, schon seit dem Sommer. Nun konnte die Party also weiter gehen. Ich blieb die ganzen Tage bis Ende der Ferien bei Kira, die mir auch ihre Kleidung schenkte. Ihre Eltern waren anders. Sie waren nett und akzeptierten, dass Kira ein Punk war und auch mich nahmen sie gut an. Aber dann musste ich wieder nach Hause, denn, dass ich Abitur machen wollte, hatte ich mir selbst ausgesucht. Nur studieren wollte ich nicht. Ich war dann zuhause und meine Eltern wollten mit mir schimpfen, doch ich nutzte mal wieder die Größe der Villa aus, um mich unbemerkt in mein Zimmer zu schleichen. Stundenlang wollten sie in mein Zimmer, um zu reden und zu schimpfen. Erst Abends kam ich heraus, um zu essen. Nun war ich meinen Eltern ausgesetzt. Doch ich hörte nicht zu. Ich antwortete auch nicht. Darüber regten sie sich am meisten auf. „Sarah, hörst du überhaupt zu?“ fragte mein Vater außer Fassung. „Ganz ehrlich?“ entgegnete ich: „Nö!“ und dann grinste ich noch frech, weil ich genau wusste, dass ihn das zur Weißglut treiben würde. „Sarah!“ brüllte er laut. „Ich bin nicht taub, Papa, aber ich muss dann auch mal ins Bett. Morgen ist Schule.“ sagte ich grinsend und verschwand in mein Zimmer und in mein Bett. In der Schule starrten mich alle dämlich an. Keiner kannte mich so und auch meine alten „Freundinnen“ kannten mich nicht mehr, sie sahen an mir vorrüber. Nun gab ich mich mit den anderen Leuten ab. Mit denen, die ich vorher vermeiden musste. Ich ging zu denen, die man Freaks nannte. Die waren cool drauf und nicht so langweilig. Am Anfang waren sie skeptisch, weil sie mich nur als arrogant kannten, aber wir kamen gut miteinander klar und wir lachten viel. [Sagt mal wenn euch das gefällt... vielleicht schreibe ich dann das weiter... wenn mir irgendwann mehr einfällt ]

22.6.14 20:56

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